Buchbesprechung 1

Titelbild Burkhart Fischer:   Hören, Sehen, Blicken, Zählen - Teilleistungen und ihre Störungen


Seit ca, 10 Jahren beobachten wir außerordentliche Fortschritte in der Gehirnforschung. Funktionelle bildgebende Verfahren (z.B. fMRT, PET, EKP) geben uns erste Einblicke in ein Meer ungeahnter Geheimnisse der Funktionsweise des Gehirns.

Das 2003 in 1. Auflage erschienene Buch von Fischer enthält Informationen über die funktionelle Entwicklung des Gehirns bei Kindern und Jugendlichen, die vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wären. Dass Sehen bzw. Hören nicht nur von den Organen also Augen und Ohren abhängen wird uns eindrucksvoll in diesem Buch präsentiert. Die Gehirnforschung lehrt uns, dass auch, wenn die Mechanik der Ohren und Augen funktioniert, ohne das Gehirn kein Lernen möglich ist.

Die quantitative Beschreibung von Augenbewegungen durch entsprechende Messmethoden machte es möglich, Teilleistungseigenschaften im Gehirn den Symptomen einer Lese-Rechtschreibstörung oder Dyskalkulie bzw. ADHS zuzuordnen. Dies ist ein Quantensprung für die bisher hauptsächlich nur mechanistisch, symptomatische Beschreibung von Entwicklungsstörungen. Der Autor beschreibt in einer für den Leser einfachen Sprache komplizierte Abläufe der Sinnesverarbeitungen im Gehirn.

Sehr übersichtlich werden zunächst die Reifungsvorgänge der Seh- und Hörverarbeitung in den ersten Lebensjahren bis zum Erwachsenenalter dargestellt. Sprachentwicklung, Schriftsprachentwicklung, der Umgang mit Zahlen werden aus der Sicht des Gehirnforschers ebenso erläutert wie das Phänomen der Aufmerksamkeit und Konzentration. Der Autor führt uns im 1. Kapitel durch die Forschungsdaten, präsentiert quantitative Normdaten zum dynamischen Sehen und Blicken als Voraussetzung zum Verständnis von der Notwendigkeit von Augenbewegungen beim Sehprozess.

Im Weiteren präsentiert Fischer Daten zum sprachfreiem Hören, welches eine Voraussetzung für die Sprachentwicklung ist. Die in jahrelanger Arbeit ermittelten altersabhängigen Normdaten zur Gehirnreifung der visuellen und auditiven Verarbeitung werden im 2. Kapitel mit Daten spezifischer Störungsbilder beim Lernaufbau (u.a. LRS, Dyskalkulie) verglichen. Die quantitative Beschreibung mit Hilfe funktioneller Messmethoden erlaubt Probleme von Patienten mit den jeweiligen Verarbeitungsprozessstörungen im Gehirn spezifischer zu beschreiben. Dies ermöglicht z.B. eine genauere Zuordnung, ob visuelle und/oder auditive Verarbeitungsprozesse im Gehirn während des Reifungsprozesses auffällig sind. Erste Hinweise gibt der Autor auch, dass bei einer so vielschichtigen Diagnose wie der Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung (AD(H)S) auch Augenbewegungen, die im Frontalhirn gesteuert werden, deutlich eingeschränkt sind. Auch Anteile der sprachfreien Hörwahrnehmung sind danach bei den untersuchten Patienten mit AD(H)S eingeschränkt.

Im 3. Teil beschreibt Fischer mögliche therapeutische Konsequenzen in Form von spezifischen Automatisierungstrainings und zeigt ebenfalls Daten aus bisherigen Studien.

Der letzte Teil des Buches beschreibt, wie sich die Ergebnisse der Trainings auf die Leistungsebene innerhalb der Schule transferieren lassen.

Insgesamt ein Buch, welches spannend zu lesen ist, geschrieben von einem Wissenschaftler, der es geschafft hat, auch hochwissenschaftliche Ergebnisse sprachlich so darzustellen, das die breite anvisierte Leserzielgruppe einen guten überblick über die Abläufe der Seh- und Hörverarbeitung im Gehirn erhält.

Die neurobiologischen Inhalte müssen Eingang in die Vorlesungen der Pädiatrie insbesondere der Entwicklungspädiatrie finden, da sie für das Verständnis der kindlichen und jugendlichen Gehirnentwicklung unverzichtbar sind. Die wissenschaftliche Entwicklung speziell der Gehirnforschung ist rasant, dass diese Inhalte auch Bestandteil eines pädiatrischen Lehrbuches werden müssen.

Ich wünsche diesem Buch ein große Verbreitung und aufgeschlossene Leser, um Kinder und Jugendlichen mit entsprechenden Störungsbildern eine schnelle und gute Hilfestellung zu ermöglichen.

Bamberg, den 3. Juli 2007
PD Dr. Edgar Friederichs

Buchbesprechung 2

Burkhart Fischer:   Hören, Sehen, Blicken, Zählen - Teilleistungen und ihre Störungen


Zitiert aus der Buchbesprechung von Oliver Kneidl (Bad Kreuznach) erschienen in Forum Logopädie, Ausgabe 2/2008.

"Dass ohne das komplexe Zusammenwirken verschiedener Unterfunktionen des Gehirns die Leistungen unserer Sinne nicht zur vollen Entfaltung kommen können, erläutert der Autor in dem vorliegenden Buch. Er gibt zunächst eine Einführung in die unbeeinträchtigte Entwicklung......., bevor er auf die abweichenden Entwicklungen und deren Zusammenhang mit LRS, Dyskalkulie und ADHS eingeht.
(Er) ... diskutiert im Schlusskapitel, welche Effekte die ...Trainingsmaßnahmen auf schulisches Lernen haben können.
Dank eines einfachen, klaren Schreibstils und zahlreicher grafischer Darstellungen gelingt es Fischer, die Ergebnisse und Interpretationen seiner umfangreichen Datensammlung auch für den Laien nachvollziehbar darzustellen. Das Buch ermöglicht somit einen äußerst umfassenden Einblick in die Komplexität von Diagnose und Therapie der Sinnes- und Blickfunktionen bei den gängigsten Entwicklungsauffälligkeiten."


Buchbesprechung 3

Burkhart Fischer:   Hören, Sehen, Blicken, Zählen - Teilleistungen und ihre Störungen


Zitiert aus der Buchbesprechung von Petra Julia Wiederkorn (Wien) erschienen in Psychologie in Österreich 1/2008.

"In diesem Buch geht es nicht nur um Teilleistungsstörungen und deren Behandlung, sondern auch um das Zusammenspiel der einzelnen Funktionen im menschlichen Gehirn. Es ist dem Autor ein besonderes Anliegen dem Leser die Neurobiologie der Sinnes- und Blickfunktionen darzulegen......... Ich fand dieses Buch sehr spannend, da es aus einer anderen Sichtweise an das Thema Teilleistungsstörungen herangeht. Ziel ist es nicht nur, die Störungen aufzuzeigen und zu erklären, sondern sie von Grund auf zu verstehen. Mit Hilfe dieses Wissen können spezifischere Trainings erarbeitet werden, die unter Umständen eine höhere Erfolgsquote aufweisen können. Besonders der praktische Teil mit den Hilfen und Trainings .... ist für den Leser .... sehr informativ."